Die Band Shy wird 1991 von Hammersteen und Andreas Kump in Linz als Three Lions On My Chest gegründet. Dieser Name, obwohl durch ein Telegramm (!) von Hammersteen an Kump formell bestätigt, hält nur wenige Tage. Die Prämisse des künftigen Schaffens ist den beiden hingegen auch als Shy klar: englisches Wimp-Poptum, The Smiths, Musik im Stile des besonders von Kump verehrten Labels Sarah Records.

Kennen gelernt haben sich Hammersteen und Kump bereits Ende der 1980er-Jahre in der lokalen Mod-Szene. Der Kitt, der sie seither mal lose mal enger verbindet: Pop, Fußball, (Northern) Soul, Worthington Bitter etcetera.

Nach einem Besuch von Kump bei Sarah Records in Bristol wird 1992 der englische Gesang verworfen. Die Adressaten reiben sich beim Anhören des mitgebrachten Demos am Akzent des Sängers, weshalb Shy beschließen, auf Deutsch zu singen.

Mittlerweile besteht die Band neben Hammersteen (Leadgitarre) und Kump (Gesang) aus Huckey Renner (Schlagzeug, heute u.a. bei Texta), Peter „Cap“ Kratochvil (Bass) und Reini Pohl (Rhythmusgitarre).

Cap hat wie Kump eine Vergangenheit als Mod, spielte früher bereits Bass in der Beat-Band The Addams Family und ist wie Hammersteen auf dem Soul-Trip. Huckey war Schlagzeuger bei der Linzer Hardcore Band Target of Demand. Reini Pohl ist wie auch der Rest von Shy von den englischen Bands der Stunde motiviert: Stone Roses, Soup Dragons, The Farm, Happy Mondays ...

Am 8. September 1992 spielen Shy ihr erstes Konzert. Ort ist das Kraftwerk in Steyr, mit ihnen auf der Bühne stehen die Merricks aus München sowie die englische Band Penny Arcade.

1994 veröffentlichen Shy ihr Debütalbum „Himmelsstürmer“ bei Public Music, einem von Cap und Hammersteen eigens dafür gegründeten Label. Hansi Riener ersetzt Huckey am Schlagzeug.

Auf „Shy retten die Welt“, dem zweiten (Mini-)Album, präsentierten sich Shy 1995 mit sechs weiteren Indiepopsongs. Personell geht es rund. Reini Pohl hat die Band verlassen und Hammersteen emigriert nach England (wo er bis heute lebt), seinen Part teilen sich jetzt Peter Trebo (Gitarre) und Peter Lang (Keyboards). Die CD erscheint am bandeigenen Label „Freunde von Gene Clark“ als GC 01.

Irgendwann zwischen 1995 und 1997 stellt auch Cap den Bass in die Ecke. Auf „Pullover“, dem dritten Album von Shy (GC 02), ist bereits Mario Valenti als Bassist dabei. In der Tageszeitung DER STANDARD nennt Christian Schachinger „Pullover“ „eines der überzeugendsten heimischen Popalben von überhaupt“. Der Band wird damit erstmals medial größere Aufmerksamkeit zu teil.

Im Oktober 1998 legten Shy mit dem vierten Tonträger, diesmal auf dem Wiener Label Geco Tonwaren nach. Das Album heißt „Comprende?“ und Shy gelingt damit der Sprung auf die Feuilletonseiten von TAGESANZEIGER und NZZ. Der FALTER kürt Kump zum „derzeit bei weitem besten Texter des Landes“.

Abermals wechselt die Besetzung. Peter Trebo gründet seine eigene Band Sen Lotus, dafür kehrt nun Reinhard Pohl als Gitarrist zurück.

„Comprende?“ kommt im April 1999 auch in Deutschland heraus. Das Kölner Label Day-Glo verlegt eine gemasterte, mit anderem Cover versehene Ausgabe. Weiters erfüllen die Berliner Freunde vom Label Firestation den ursprünglichsten Wunsch von Shy: Eine 7“ auf einem internationalen Indiepoplabel. Weil es diese Single auch in japanische Plattenläden und Clubs schafft, wird das dort angesiedelte Label Motorway auf die Band aufmerksam. Die Folge: Eine weitere 7“ (eine Coverversion des Songs „Stahlstadtkinder“ der Linzer Bandlegende Willi Warma), eine 12“ und eine „Best Of“-CD. Zu selben Zeit rotiert das Video zur Single „Ein Schicksal in nur einem Leben ist uns einfach nicht mehr genug“ auf dem deutschen Musikfernsehsender VIVA 2.

Im Sommer 2000 nimmt die Band im bayrischen Weilheim in Mario Thalers U-Phon Studio auf. Dort entstehen Songs, die erstmals von Bands wie Mercury Rev und Lambchop beeinflusst sind. Prägend erweist sich dabei die Steel Pedal Guitar von Jörg Gaisbauer.
Letztlich wird das „Auf Reisen“ benannte Album im April 2001 beim Major Label EMI Austria veröffentlicht. Neben euphorischer Kritiken wird die Platte zum „Album der Woche“ auf FM4 gekürt. Eine Tour mit 20 Konzerten in Österreich und Deutschland folgt.

Nach dem Ausflug in die Musikindustrie kommen Shy in den folgenden Jahren auf dem Boden des Proberaums an. Reini Pohl verlässt zum zweiten Mal die Band. Heinz Fleischanderl rückt nach.
Zwischen Herbst 2002 und Sommer 2003 entsteht das mittlerweile sechste Album (abzüglich des „Best Of“) in Linz bei Gerald Landschützer.
Ehe die Platte mit dem Titel „35 Sommer“ im selben Jahr auf dem Wuppertaler Label Paul! erscheint, spielt die Band im März 2004 noch ein Konzert im Linzer Landestheater. Im Großen Haus. Vor 525 Menschen. Ein für Band und Publikum großer Abend. Die übrigen 17 Konzerte des Jahres führen Shy gemeinsam mit der deutschen Band Angelika Express auch nach Heidelberg, München und Langenau.

Im Februar 2006 erscheint „Zurück am Start“, das sechste Studioalbum. Abermals aufgenommen im Weilheimer U-Phon-Studio. Es ist ein Break-Up-Album, wie Rainer Krispel im Info zur Platte schreibt. Sämtliche Songs kreisen um ein Beziehungsende und treffen ins Herz. Label ist diesmal Wohnzimmer Records in Wien.

Weitere Besetzungswechsel vollziehen sich. Mario Valenti steigt aus, Phil Sicko an seiner statt ein. Teilweise ersetzt Lelo Brossmann, vormals u.a. Gitarrist bei der Wiener Band Heinz, Fleischanderl, manchmal spielen Shy aber auch mit drei Gitarren.

Nach einer längeren Arbeitspause meldet sich die Band am 31. Dezember 2009 mit einem Konzert am Linzer Hauptplatz zurück. Neben Kump, Lang, Riener und Sicko sind nun auch Armin Lehner (Gitarre) und Stefan Messner (Elektronik) Teil des Ensembles. Die an den Auftritten anschließenden Arbeiten am nächsten Album ziehen sich dahin. Mehrmals verschoben, erscheint „Zwei“ aber dann im Herbst 2013 wieder bei Wohnzimmer Records.

Im Sommer 2014 gibt Hansi Riener bekannt, dass er nach fast genau 20 Jahren Shy verlassen wird. Der Rest der Band kommt überein, den frei gewordenen Posten am Schlagzeughocker nicht neu auszuschreiben. Als prägendes Mitglied ist Hansi nicht zu ersetzen, so die Meinung. Deshalb endet offiziell mit 30. November 2014, was 1991 in Gedanken und 1992 auf Bühnen begann: ein etwas ausgeartetes Bandprojekt. Shy ist Geschichte. Danke für's Zuhören.